Radtel RT-950 Pro – ein günstiges Handfunkgerät mit echtem APRS und einigen Überraschungen

Radtel RT-950 Pro Handfunkgerät UHF VHF APRS GPS

Meine ersten Erfahrungen mit dem neuen Handfunkgerät bei SOTA, POTA und im Amateurfunkalltag

Meine Handfunkgeräte-Sammlung hat wieder einmal Zuwachs bekommen. Mittlerweile stehen bei mir sieben verschiedene Handfunkgeräte zur Verfügung – und mit dem Radtel RT-950 Pro ist nun Nummer acht dazugekommen.

Darunter befinden sich natürlich nicht nur vergleichbare Geräte. Unter anderem habe ich auch ein Gerät mit C4FM sowie ein Gerät mit DMR. Die einzelnen Funkgeräte werde ich nach und nach noch in eigenen Beiträgen vorstellen. Dazu bin ich bisher schlicht noch nicht gekommen, aber das wird noch nachgeholt.

Beim Radtel RT-950 Pro wollte ich allerdings nicht lange warten, denn das Gerät hat einige Funktionen, die ich für diese Preisklasse ausgesprochen interessant finde.

Und gleich vorweg: Das hier soll kein klassisches Unboxing und auch kein vollständiges Review jeder einzelnen Menüfunktion werden. Davon gibt es mittlerweile genügend Videos im Internet. Dort wird teilweise sehr ausführlich gezeigt, was im Karton liegt, wie programmiert wird und welche Einstellung sich in welchem Untermenü versteckt.

Mich interessiert viel mehr die Praxis: Was kann das Gerät für mich im Amateurfunkalltag und insbesondere bei meinen SOTA- und POTA-Aktivitäten leisten?

Genau darum soll es in diesem und in späteren Beiträgen gehen.

Warum überhaupt noch ein Handfunkgerät?

Die berechtigte Frage lautet natürlich: Warum kauft man sich ein achtes Handfunkgerät?

Beim Radtel RT-950 Pro waren es mehrere Punkte.

Einer davon war schlicht der Preis. Ich habe das Gerät für ungefähr 70 Euro bekommen. Für das, was darin steckt, ist das schon einmal eine Ansage.

Der wesentlich wichtigere Kaufgrund war für mich aber eine bestimmte Funktion: APRS mit GPS und Positionsübertragung.

Genau das finde ich an diesem Gerät ausgesprochen interessant.

Eine brauchbare APRS-Funktion kennt man normalerweise eher von deutlich teureren Handfunkgeräten. Schnell bewegt man sich dann in einer Preisklasse von 300 oder 400 Euro. Beim RT-950 Pro bekommt man zumindest die für mich entscheidende Funktion – die Übertragung der eigenen GPS-Position per APRS – in einem erstaunlich günstigen Gerät.

Und genau diese Funktion habe ich mittlerweile auch in der Praxis ausprobiert.

Erster APRS-Praxistest bei SOTA und POTA

Seinen ersten richtigen Außeneinsatz hatte das RT-950 Pro bei meiner SOTA-/POTA-Aktivierung auf dem Ossinger.

Das Szenario war eigentlich genau das, wofür ich das Gerät haben wollte: Funkgerät an den Rucksack, GPS aktivieren, APRS-Tracking einschalten und unterwegs regelmäßig die eigene Position übertragen lassen.

Und was soll ich sagen?

Es funktioniert. Und zwar wirklich gut.

Die Positionsdaten wurden zuverlässig ausgesendet und ließen sich anschließend auch entsprechend online auf der Karte nachvollziehen.

Gerade bei Outdoor-Aktivitäten gefällt mir diese Möglichkeit sehr gut. Das Funkgerät kann am Rucksack hängen und nebenbei meine Position per APRS aussenden. Ich brauche dafür kein zusätzliches APRS-Gerät und keine komplizierte externe Konstruktion.

Natürlich hat die APRS-Implementierung des RT-950 Pro auch Grenzen. Einer der für mich deutlichsten Kritikpunkte ist, dass es sich nicht um ein vollwertiges APRS-Messaging-System handelt. APRS-Nachrichten an andere Teilnehmer zu schreiben, ist nicht vorgesehen.

Das finde ich schade.

Für meinen persönlichen Einsatzzweck ist allerdings zunächst die Positionsübertragung beziehungsweise das Tracking entscheidend. Und genau das funktioniert nach meinen bisherigen Erfahrungen tadellos.

Für ein Handfunkgerät, das ich für rund 70 Euro gekauft habe, finde ich das bemerkenswert.

Drei Bereiche gleichzeitig im Blick

Ein weiteres interessantes Merkmal ist der Tri-Frequency-Standby.

Auf dem Display können drei Bereiche beziehungsweise VFOs A, B und C gleichzeitig dargestellt und überwacht werden. Natürlich besitzt das Gerät nicht drei vollkommen unabhängig arbeitende Empfänger. Vielmehr werden die eingestellten Bereiche abwechselnd überwacht und das Gerät reagiert entsprechend, sobald dort Betrieb erkannt wird.

Für mich ist das durchaus praktisch.

Gerade unterwegs kann man beispielsweise unterschiedliche Amateurfunkfrequenzen beziehungsweise Kanäle im Blick behalten, ohne ständig manuell hin- und herschalten zu müssen.

Ob man drei VFOs wirklich jeden Tag benötigt, ist eine andere Frage. Haben ist in diesem Fall aber besser als brauchen – und die Umsetzung gefällt mir bisher gut.

Und dann wäre da noch 11 Meter …

Eine Besonderheit des RT-950 Pro ist der Frequenzbereich um 27 MHz.

Ja – das Gerät kann tatsächlich auch im Bereich des 11-Meter-Bandes arbeiten. Beim RT-950 Pro ist 27 MHz als Sende- und Empfangsbereich vorgesehen, wobei beim Senden auf 27 MHz FM zur Verfügung steht.

Das finde ich allein deshalb interessant, weil meine aktive CB-Funk-Zeit inzwischen wirklich lange zurückliegt.

Sehr lange.

Wenn ich mich richtig zurückerinnere, habe ich zuletzt Ende der 1990er-Jahre ernsthaft CB-Funk gemacht.

Seitdem ist viel passiert und mein Schwerpunkt liegt heute natürlich eindeutig auf dem Amateurfunk. Trotzdem bin ich bei Funk grundsätzlich neugierig. Wenn ein Gerät diese Möglichkeit ohnehin mitbringt, warum sollte man sie nicht einmal ausprobieren?

Gerade bei einer SOTA-Aktivierung könnte ich mir vorstellen, einfach einmal testweise auf 11 Meter reinzuhören und – selbstverständlich im Rahmen der jeweils geltenden Bestimmungen – auszuprobieren, was vom Berg aus möglich ist.

Vielleicht erreicht man jemanden, vielleicht auch nicht.

Für irgendwelche Offgrid-Szenarien finde ich es ebenfalls nicht uninteressant, zusätzlich noch eine weitere Funkmöglichkeit zur Verfügung zu haben. Für meinen täglichen Funkbetrieb spielt CB allerdings derzeit keine große Rolle. Dort bin und bleibe ich hauptsächlich auf den Amateurfunkbändern unterwegs.

Ein Fragezeichen steht für mich außerdem noch hinter der mitgelieferten relativ kurzen Antenne. Wunder auf 27 MHz würde ich von einer derart kurzen Antenne jedenfalls nicht erwarten.

Für das RT-950 Pro gibt es allerdings auch andere Antennenlösungen beziehungsweise Teleskopantennen. Vielleicht besorge ich mir noch eine davon und probiere das Ganze bei Gelegenheit aus.

Das könnte durchaus ein interessantes Experiment für eine zukünftige SOTA-Aktivierung werden – und gleichzeitig nach vielen Jahren mal wieder ein kleiner Ausflug zurück zum CB-Funk.

Bedienung: überraschend angenehm

Ein Punkt, der mir beim RT-950 Pro sehr schnell positiv aufgefallen ist, ist die Bedienoberfläche.

Das Menü ist grafisch aufgebaut und arbeitet mit Kacheln beziehungsweise Symbolen. Das macht die Bedienung meiner Meinung nach wesentlich angenehmer als bei vielen klassischen Handfunkgeräten, bei denen man sich erst einmal durch kryptische Menüabkürzungen kämpfen muss.

Beim RT-950 Pro findet man sich erstaunlich schnell zurecht.

Das Farbdisplay trägt natürlich ebenfalls dazu bei. Einstellungen lassen sich gut erkennen und die wichtigen Funktionen sind schnell erreichbar. Auf den Bildern zu diesem Beitrag kann man ganz gut sehen, wie das Menü aufgebaut ist.

Bis jetzt empfinde ich die Bedienung jedenfalls als sehr intuitiv.

Auch das manuelle Programmieren von Kanälen direkt am Gerät funktioniert problemlos.

Programmierkabel? Brauche ich momentan nicht unbedingt

Ein klassisches Programmierkabel habe ich für das RT-950 Pro momentan nicht.

Ob ich mir noch eines besorge, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht.

Das Gerät unterstützt entsprechende Programmiermöglichkeiten und darüber hinaus auch eine Programmierung per Bluetooth beziehungsweise App, aber für meine Arbeitsweise ist eine riesige Kanaldatenbank ohnehin nicht unbedingt notwendig.

Ich bin kein großer Freund davon, hunderte Repeater und Frequenzen in ein Handfunkgerät zu programmieren, die ich anschließend wahrscheinlich niemals benutze.

Bei mir kommen normalerweise die Frequenzen und Relais hinein, die ich tatsächlich brauche.

Wenn ich beispielsweise in den Urlaub fahre, schaue ich vorher, welche Relais beziehungsweise Frequenzen in der betreffenden Region für mich interessant sind. Dann programmiere ich eben drei, vier oder fünf zusätzliche Kanäle ein.

Das dauert am RT-950 Pro nicht lange.

Und wenn ich nach dem Urlaub weiß, dass ich dort in nächster Zeit ohnehin nicht wieder hinkomme, kann ich sie genauso schnell wieder löschen.

Für meine Art, ein Handfunkgerät zu verwenden, reicht das vollkommen aus.

Wer natürlich hunderte Speicherplätze pflegen und regelmäßig größere Kanallisten aktualisieren möchte, wird die Programmierung am Rechner oder per App vermutlich deutlich interessanter finden.

Akku – trotz GPS und APRS bisher absolut brauchbar

Beim Akku war ich anfangs etwas skeptisch.

Schließlich lasse ich nicht nur mehrere Frequenzbereiche überwachen, sondern habe bei meinen bisherigen Tests auch GPS und APRS praktisch dauerhaft eingeschaltet.

Das kostet natürlich Energie.

Trotzdem kann ich mich über die Akkulaufzeit bislang nicht beschweren.

Ich habe noch keinen richtigen Laufzeittest gemacht und nicht mit der Stoppuhr gemessen, nach wie vielen Stunden und Minuten Schluss ist. Deshalb möchte ich hier auch keine Werte nennen, die ich selbst noch nicht überprüft habe.

Mein bisheriger Eindruck aus der Praxis ist aber: Der Akku hält ungefähr genauso brauchbar durch wie bei meinen anderen Handfunkgeräten, obwohl das RT-950 Pro gleichzeitig einige zusätzliche Funktionen im Hintergrund betreibt.

Das ist für mich zunächst vollkommen ausreichend.

Interessant wird es natürlich nach mehreren längeren SOTA- und POTA-Einsätzen. Dann kann ich wesentlich besser einschätzen, wie lange der Akku bei aktiviertem GPS, APRS-Tracking und normalem Funkbetrieb tatsächlich durchhält.

Dazu werde ich später noch einmal etwas schreiben.

Technische Daten des Radtel RT-950 Pro

Hier die wichtigsten technischen Daten und Funktionen der Pro-Version im Überblick:

  • Gerätetyp: analoges Mehrband-Handfunkgerät
  • Tri-Frequency-Standby: drei Frequenz-/Kanalbereiche A, B und C darstellbar und wechselnd überwachbar
  • Sendebereiche: 27 MHz, 49–53 MHz, 136–174 MHz sowie 400–520 MHz
  • 27 MHz: Senden und Empfangen, Sendebetrieb in FM
  • Breitbandempfang: ungefähr 18–620 MHz AM/FM
  • Kurzwellenempfang: ca. 2,3–30 MHz
  • Mittelwelle: ca. 520–1710 kHz
  • Langwelle: ca. 153–279 kHz
  • Empfangsarten: unter anderem AM und FM sowie USB/LSB/CW in den dafür vorgesehenen Empfangsbereichen
  • Sendeleistung: bis zu 10 Watt angegeben, abhängig von Frequenzbereich und Gerätekonfiguration
  • GPS: integriert
  • APRS: GPS-/Positionsübertragung
  • APRS-Tracking: vorhanden
  • APRS-Messaging: keine vollwertige Nachrichtenfunktion
  • Speicherorganisation: bis zu 15 Zonen mit jeweils 64 Kanälen
  • Kanalspeicher: bis zu 960 Speicherplätze
  • Farbdisplay: vorhanden
  • Grafisches Kachelmenü: vorhanden
  • Bluetooth: vorhanden
  • Programmierung per Smartphone/App: unterstützt
  • PC-Programmierung: möglich
  • Frequenzkopier-/Messfunktion: vorhanden
  • Spektrumanzeige/Spectrum Analyzer: integriert
  • CTCSS/DCS: vorhanden
  • VOX: vorhanden
  • Scan-Funktionen: vorhanden
  • FM-Rundfunkempfang: vorhanden
  • NOAA-Wetterkanäle: unterstützt, in Europa allerdings kaum von praktischem Nutzen
  • USB-C-Laden: vorhanden
  • Antenne: abnehmbar
  • Weitere Antennenlösungen: unter anderem längere beziehungsweise Teleskopantennen erhältlich

Ein wichtiger Hinweis zu den Frequenzangaben: Nur weil ein Funkgerät technisch auf einer bestimmten Frequenz senden kann, bedeutet das natürlich nicht automatisch, dass dort auch gesendet werden darf. Entscheidend sind immer die jeweiligen gesetzlichen Bestimmungen, Bandpläne, Gerätezulassungen und persönlichen Berechtigungen.

Für rund 70 Euro erstaunlich viel Funkgerät

Nach meinen ersten Einsätzen fällt mein Zwischenfazit ziemlich eindeutig aus:

Bis jetzt kann ich mich über das Radtel RT-950 Pro nicht beschweren.

Im Gegenteil.

Ich kann das Gerät bei einer SOTA- oder POTA-Aktivierung am Rucksack befestigen, GPS und APRS einschalten und meine Position übertragen lassen. Genau das wollte ich – und genau das hat bei meinem ersten Praxiseinsatz auf dem Ossinger funktioniert.

Natürlich ersetzt ein solches günstiges Gerät nicht automatisch ein hochwertiges Handfunkgerät der etablierten Amateurfunkhersteller.

Das erwarte ich aber auch gar nicht.

Die entscheidende Frage lautet für mich vielmehr:

Erfüllt es den Zweck, für den ich es gekauft habe?

Bis jetzt lautet die Antwort eindeutig: Ja.

Was noch ausprobiert werden muss

Mit diesem ersten Bericht ist das Thema RT-950 Pro noch lange nicht abgeschlossen.

Ich möchte das Gerät in den kommenden Wochen und Monaten weiter im normalen Amateurfunkbetrieb sowie insbesondere bei Outdoor-Aktivitäten einsetzen.

Interessant sind für mich unter anderem die Langzeiterfahrungen mit APRS und GPS, die Akkulaufzeit bei längeren Aktivierungen, die Empfängerleistung unter realen Bedingungen und natürlich die Frage, wie sich das Gerät bei SOTA und POTA dauerhaft bewährt.

Und irgendwann werde ich wahrscheinlich doch noch meine kleine Zeitreise zurück in die 1990er machen und 11 Meter ausprobieren.

Dann vielleicht mit einer geeigneteren beziehungsweise längeren Antenne.

Mal sehen, ob und was dort vom Berg aus noch los ist. 🙂